Was sind Typklassen in der Kfz-Versicherung?
Typklassen gehören zu den wichtigsten Faktoren bei der Berechnung Ihres Kfz-Versicherungsbeitrags. In diesem Ratgeber erklären wir, wie sie funktionieren, wer sie festlegt und was sie für Ihre Versicherungskosten bedeuten.
Typklassen einfach erklärt
Jedes in Deutschland zugelassene Fahrzeugmodell wird in sogenannte Typklassen eingeteilt. Diese Klassen spiegeln die Schadenbilanz eines Fahrzeugtyps wider: Wie häufig sind Unfälle mit diesem Modell? Wie hoch fallen die Reparaturkosten aus? Wie oft wird es gestohlen?
Das Prinzip dahinter ist einfach: Fahrzeugmodelle, die statistisch seltener in Unfälle verwickelt sind oder bei denen Reparaturen günstiger ausfallen, erhalten eine niedrige Typklasse. Modelle mit häufigeren oder teureren Schäden werden höher eingestuft. Die Typklasse fließt dann direkt in die Berechnung Ihres Versicherungsbeitrags ein.
Kurz gesagt: Die Typklasse zeigt, wie teuer Ihr Fahrzeugmodell für Versicherungen statistisch ist. Sie können die Typklasse Ihres Fahrzeugs kostenlos über unsere Typklassensuche herausfinden.
Die drei Typklassen im Überblick
Für jedes Fahrzeugmodell gibt es nicht eine, sondern drei separate Typklassen. Jede bezieht sich auf eine andere Versicherungsart und wird unabhängig voneinander berechnet:
Kfz-Haftpflicht
Basiert auf Schäden, die Fahrer dieses Modells bei anderen verursachen. Berücksichtigt werden Unfallhäufigkeit und Schadenhöhe.
Teilkasko
Erfasst Diebstahl, Glasbruch, Wildunfälle, Sturm und Hagel. Modelle mit hohem Diebstahlrisiko sind hier oft höher eingestuft.
Vollkasko
Deckt zusätzlich selbstverschuldete Schäden ab. Reparaturkosten, Teilepreise und Fahrzeugtechnik spielen hier eine große Rolle.
Ein Fahrzeug kann in einer Sparte günstig und in einer anderen teuer eingestuft sein. Ein kompakter Kleinwagen hat vielleicht eine niedrige Haftpflicht-Typklasse, weil er selten schwere Unfälle verursacht, aber eine höhere Teilkasko-Klasse, weil er häufig gestohlen wird.
Wer legt die Typklassen fest?
Die Typklassen werden vom Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) festgelegt. Der GDV wertet jährlich die Schadenbilanzen aller in Deutschland zugelassenen Fahrzeugmodelle aus und berechnet auf dieser Basis die neuen Typklassen.
Die aktuellen Einstufungen gelten jeweils ab dem 1. Januar eines Jahres. Dabei können sich die Klassen für ein Modell von Jahr zu Jahr ändern, wenn sich der Schadenverlauf verändert hat. Ein Modell, das im Vorjahr weniger Unfälle hatte, kann in eine günstigere Klasse rutschen, und umgekehrt.
Versicherungsunternehmen sind nicht verpflichtet, die GDV-Typklassen zu übernehmen, in der Praxis tun es jedoch fast alle. Die Typklasse ist somit bei nahezu allen Versicherern identisch.
Was beeinflusst die Einstufung?
Die Typklasse eines Fahrzeugmodells ergibt sich aus verschiedenen statistischen Faktoren. Diese unterscheiden sich je nach Versicherungsart:
Wichtig: Die Typklasse bezieht sich immer auf das Fahrzeugmodell, nicht auf den einzelnen Fahrer. Ihr persönliches Fahrverhalten fließt nicht in die Typklasse ein, sondern wird über andere Faktoren wie die Schadenfreiheitsklasse abgebildet.
Typklassen in der Praxis: Ein Beispiel
Um die Auswirkungen greifbar zu machen, hier ein vereinfachtes Beispiel:
Vergleich: Kleinwagen vs. Sportwagen
Ein VW Polo mit 80 PS könnte in der Haftpflicht Typklasse 13 haben, weil Kleinwagen statistisch selten schwere Unfälle verursachen. Ein BMW M3 mit 480 PS dagegen Typklasse 23, weil leistungsstarke Fahrzeuge tendenziell mit höheren Schadenkosten verbunden sind. Allein durch diesen Unterschied kann der Haftpflichtbeitrag für den BMW mehrere hundert Euro pro Jahr höher ausfallen.
Dabei gilt: Die Typklasse ist nur einer von vielen Beitragsfaktoren. Auch wenn zwei Fahrzeuge die gleiche Typklasse haben, kann der Versicherungsbeitrag je nach Fahrerprofil stark variieren.
Typklasse ist nicht alles: Weitere Beitragsfaktoren
Die Typklasse bestimmt nur einen Teil Ihres Versicherungsbeitrags. Neben ihr spielen weitere individuelle Faktoren eine wesentliche Rolle:
Ein Fahranfänger mit einem günstigen Kleinwagen (niedrige Typklasse) kann trotzdem deutlich mehr zahlen als ein erfahrener Fahrer mit einem größeren Fahrzeug (höhere Typklasse), weil die Schadenfreiheitsklasse und das Alter den Beitrag stark beeinflussen.
Kann ich meine Typklasse beeinflussen?
Die Typklasse Ihres aktuellen Fahrzeugs können Sie nicht ändern, da sie statistisch vom GDV festgelegt wird. Sie haben aber indirekt Einfluss auf Ihre Einstufung:
Bei der Fahrzeugwahl: Wenn Sie ein neues oder gebrauchtes Auto kaufen, lohnt es sich, vorab die Typklasse zu prüfen. Zwei ähnlich große Fahrzeuge können sehr unterschiedlich eingestuft sein. Über unsere Freie Suche können Sie verschiedene Modelle vergleichen, bevor Sie sich entscheiden.
Über andere Stellschrauben: Unabhängig von der Typklasse können Sie Ihren Beitrag über eine höhere Selbstbeteiligung, geringere Fahrleistung oder den Aufbau einer hohen Schadenfreiheitsklasse senken. Auch der Wohnort spielt über die Regionalklasse eine Rolle.
Typklasse Ihres Fahrzeugs prüfen
Finden Sie in Sekunden heraus, wie Ihr Fahrzeug eingestuft ist.
Häufige Fragen zu Typklassen
Was ist eine Typklasse bei der Kfz-Versicherung?
Die Typklasse ist eine statistische Kennzahl, die zeigt, wie schadenträchtig ein Fahrzeugmodell für Versicherer ist. Sie wird vom GDV jährlich neu berechnet und fließt direkt in die Beitragshöhe ein. Es gibt drei separate Typklassen: für Haftpflicht, Teilkasko und Vollkasko.
Wie finde ich die Typklasse meines Autos heraus?
Am einfachsten über unsere Typklassensuche. Geben Sie dort die HSN und TSN aus Ihrem Fahrzeugschein ein (Zulassungsbescheinigung Teil I, Felder 2.1 und 2.2). Falls Sie den Schein nicht zur Hand haben, nutzen Sie unsere Freie Suche nach Hersteller und Modell. Eine ausführliche Anleitung finden Sie auf unserer Seite So geht’s.
Ist eine hohe Typklasse immer schlecht?
Eine höhere Typklasse bedeutet tendenziell höhere Versicherungskosten in dieser Sparte. Allerdings ist die Typklasse nur ein Faktor unter vielen. Ein Fahrzeug mit höherer Typklasse kann für Sie persönlich trotzdem günstiger versicherbar sein, wenn Sie beispielsweise eine hohe Schadenfreiheitsklasse haben oder in einer günstigen Regionalklasse wohnen.
Ändern sich die Typklassen jedes Jahr?
Ja, der GDV berechnet die Typklassen jährlich auf Basis aktueller Schadenstatistiken. Die neuen Werte gelten ab dem 1. Januar. Manche Modelle werden hochgestuft, andere herabgestuft, je nachdem wie sich die Schadenbilanz entwickelt hat. Die Mehrheit der Fahrzeugmodelle bleibt erfahrungsgemäß von Jahr zu Jahr in der gleichen Klasse.
Wo liegt der Unterschied zwischen Typklasse und Regionalklasse?
Die Typklasse bezieht sich auf das Fahrzeugmodell und gilt bundesweit gleich. Die Regionalklasse hingegen bezieht sich auf Ihren Wohnort und spiegelt die Schadenhäufigkeit in Ihrer Region wider. Beide Faktoren fließen unabhängig voneinander in Ihren Versicherungsbeitrag ein.